Ferienschule – hier lernen nicht nur die Kinder

Ferienschule – hier lernen nicht nur die Kinder

von Rosella Benati • Artikel im ZMI Magazin 2012, S. 16

Fünf Kölner Grundschulen aus dem Rechtsrheinischen hatten in den diesjährigen Herbstferien für je 36 ihrer Kinder und je 13 Lehramtsstudierende ihre Tore geöffnet; sowohl das ZMI als auch das Projekt „Mülheim 2020“ unterstützten diese Aktion finanziell.
Pro Schule bildeten sich sechs Gruppen à sechs Kinder aus den ersten bis vierten Klassen. Je zwei studentische Förderkräfte, die sich im Tandem vorbereiteten, spielten und arbeiteten mit den Gruppen in der Zeit von 10 bis 16 Uhr. Anschließend tauschten sie sich über ihre Arbeit aus und bereiteten sich auf den nächsten Tag vor. Begleitet wurden die Studierenden während der zehn Tage von Kommilitoninnen und Kommilitonen mit Ferienschulerfahrung. Zwei dieser Begleiterinnen, Andrea Aretz und Shukrane Haziri, geben im Gespräch einen Einblick in diese besondere Art von Schularbeit.

Rosella Benati:
Frau Aretz, Frau Haziri, Sie sind beide schon das zweite Mal an der Ferienschule beteiligt, dieses Mal als Begleiterinnen. Welche Aufgaben hatten Sie während der zehntägigen Ferienschule?

Andrea Aretz:
Wir waren an den zwei Schulen eingesetzt, die vom ZMI finanziell unterstützt worden sind, das waren die Grüneberg-Schule in Kalk und die Gemeinschaftsgrundschule Lustheider Straße in Vingst. Unsere Aufgabe war es, die jeweils 12 Studentinnen und Studenten sowohl in organisatorischer als auch in inhaltlicher Hinsicht zu begleiten. Da wir alle durch vorangegangene Praxisseminare und spezielle Workshops vorbereitet wurden, könnte man meinen, inhaltlich hätte es keine weiteren Fragen mehr geben müssen. Es hat sich aber in der Praxis gezeigt, dass im Laufe der zwei Wochen ab und an Unsicherheiten auftraten, die wir dann zusammen auszuräumen versucht haben. Frau Dr. Weinrich und Frau Lüth besuchten uns ja auch einige Male in den Schulen, da konnte auch noch einmal nachgefragt werden.

Rosella Benati:
Dies war ja ein ganz anderes Arbeiten als im letzten Jahr, da haben Sie selbst eine Kindergruppe geleitetet …

Shukrane Haziri:
Ja, unsere Rolle hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr wesentlich geändert. Als angehende Lehrkräfte lernen wir ja, mit Kindern und Jugendlichen umzugehen. Nun mussten wir in erster Linie dafür sorgen, dass unsere Kommilitoninnen und Kommilitonen die Zeit und Ruhe hatten, sich ausschließlich auf die Arbeit mit den Kindern zu konzentrieren.
Es klingt vielleicht banal, aber es stellte sich heraus, dass zum Beispiel ein freundlicher Tagesbeginn mit Kaffee und Gebäck nicht unwichtig war. Sich gemeinsam auf den Tag einzustimmen und ihn später auf ähnliche Weise zu beenden, stärkte den Zusammenhalt.

Andrea Aretz:
Um 10 Uhr kam ein Kind nicht zum gemeinsamen Auftaktspiel, ohne dass wir darüber eine vorherige Information bekommen hatten. Da haben wir die Familie kontaktiert. Oder wenn die Herausforderungen in einer Gruppe einmal besonders groß waren, versuchten wir zu helfen, indem wir für einen gewissen Zeitraum einem Kind eine Auszeit unter Aufsicht gönnten.
Anders als es im normalen Schulalltag möglich ist, konnten wir hier die Studierenden entlasten.
Wir sprangen auch ein, wenn ein Tandem aus Krankheitsgründen nicht komplett war.
Unsere Begleitung bestand ebenfalls darin, dass wir die gemeinsame Reflexion geleitetet haben, nachdem die Kinder um 16 Uhr entlassen worden waren.

Rosella Benati:
Die Reflexionsphase am Ende des Tages hat sich als wesentlicher Bestandteil der Ferienschule bewährt. Können Sie uns ein Beispiel geben, das die Bedeutung dieser Abschlussgespräche deutlich macht?

Shukrane Haziri:
Während einer dieser gemeinsamen Gespräche kam folgendes heraus:
Einer Studentin fiel auf, dass die Tandempartnerin zwei Jungen aus der Gruppe sehr viel öfter ermahnte als die anderen vier Kinder. Das Tandem besprach die Situation, aber die betreffende Studentin blieb bei der Ansicht, dass die Ermahnungen gerechtfertigt gewesen wären. In den darauf folgenden Tagen achtete sie jedoch ganz besonders auf ihr Verhalten diesen beiden Jungen gegenüber. Sie berichtete später, dass gerade die Tandemsituation und der zur Gewohnheit gewordene Austausch zu dieser Selbstbeobachtung geführt habe. Ihr kritisches Verhalten den beiden Kindern gegenüber wäre ihr wahrscheinlich sonst nicht aufgefallen.

Andrea Aretz:
Im Team zu arbeiten ist eine große Chance, aber immer auch eine Herausforderung. Keinem fällt es leicht, immer positiv zu reagieren, wenn er auf seine Schwächen angesprochen wird. Doch jeder weiß, wie wichtig es ist, die Kritik so zu formulieren, dass der andere sie auch aufnehmen kann. Teamfähigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für den späteren Beruf als Lehrkraft. Wenn ich es nicht schaffe, mich mit den Kolleginnen und Kollegen über meine Arbeit auszutauschen, über meine Art und Weise zu unterrichten, würde ich auf Dauer ein Problem haben. Die Arbeit in der zeitlich begrenzten Ferienschule bietet eine wunderbare Gelegenheit, kollegiales Miteinander zu erleben und einzuüben.


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