Startschuss für die Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“

Startschuss für die Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“

von Anna Kleiner und Sabine Wilmes • Artikel im ZMI Magazin 2013, S. 11

Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher tun schon eine Menge für die Sprachförderung von Kindern und Jugendlichen. Unterschiedliche Modelle werden erprobt. Doch die Ressourcen sind knapp, wie immer. Diese knappen Mittel an Zeit und Geld können besser genutzt werden, wenn die Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten und ihre Erfahrungen austauschen.

Hier setzt die Initiative zur Verbesserung der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung, „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) an: In den nächsten fünf Jahren werden bundesweit bis zu 120 Verbünde aus 3 bis 10 Kindertagesstätten oder Schulen und weiteren Partnern wie zum Beispiel Bibliotheken ihre Sprachfördermaßnahmen aufeinander abstimmen. Ziel der Bund-Länder-Initiative ist es, Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung vom Kindergarten bis zum Schulabschluss optimal zu fördern. Dafür werden Verfahren und Instrumente zur Sprachförderung und -diagnostik sowie zur Leseförderung auf ihre Wirkung und Effizienz hin überprüft und weiterentwickelt. Anfang September haben die ersten 23 Verbünde aus Schulen, Kitas und außerschulischen Partnern mit der Arbeit begonnen, zwei davon auch in Köln.
Die Verbünde aus Kindertagesstätten und Schulen sind der Kern der Initiative: In jeder Bildungsetappe – Elementarbereich, Primarstufe und Sekundarstufe I – können sich jeweils 40 Verbünde zusammenfinden, um gemeinsam erfolgreiche Wege und Strategien zur Sprach- und Leseförderung zu entwickeln und einzusetzen. Den inhaltlichen Fokus legen die Verbünde selbst fest. Er baut auf Konzepten und Maßnahmen auf, die vor Ort bereits erprobt worden sind. Für die Weiterentwicklung können die Verbünde pro Bildungsetappe auf fünf verschiedene Module zurückgreifen. Die Module bestehen aus Maßnahmen, die sich in wissenschaftlichen Studien oder dem Einsatz in der Praxis bewährt haben. Sie sind in der Expertise „Bildung durch Sprache und Schrift“ ausführlich beschrieben; die Expertise kann unter www.biss-sprachbildung.de heruntergeladen werden.
So können Kitas beispielsweise neue Wege der dialogischen Leseförderung erproben. Grundschulen können auf die gezielte Förderung der Leseflüssigkeit ihrer Schülerinnen und Schüler setzen, weil eine gute Lesekompetenz Voraussetzung für das Lernen in allen Fächern ist. In der Sekundarstufe können die Verbünde Sprachförderung in den fachlichen Zusammenhängen der Sachfächer als Strategie wählen, weil eine durchgängige Sprachförderung besonders nachhaltig ist. Um die Verbünde dabei zu unterstützen, wird es ein umfangreiches Programm zur Fortbildung, Weiterqualifizierung und Beratung der pädagogischen Fachkräfte und Verbünde geben.
Bildung durch Sprache und Schrift ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie der Kultusministerkonferenz (KMK) und der Konferenz der Jugend- und Familienminister (JFMK) der Länder. Das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln, das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und die Humboldt-Universität zu Berlin in Kooperation mit dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) übernehmen als Trägerkonsortium die wissenschaftliche Ausgestaltung und Gesamtkoordination. „Unser Anliegen ist es, ein Beratungs- und Unterstützungsprogramm aufzubauen, das auf wissenschaftlich fundierten Konzepten beruht und von der Bildungsadministration in Bund und Ländern getragen wird. Es soll den Bildungseinrichtungen die Möglichkeit geben, dort anzusetzen, wo sie stehen und ihnen die individuelle Qualifizierung und Beratung bieten, die sie brauchen,“ erklärt Michael Becker-Mrotzek, Sprecher des Trägerkonsortiums und Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache.
Bisher sind Verbünde aus Hessen, Mecklenburg-Vorpommern,Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen,Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Schleswig-Holstein mit dabei. Bis Februar 2014 sollen alle 120 Verbünde ihre Arbeit aufnehmen. Für Frühjahr 2014 ist dann eine große Auftaktveranstaltung geplant, bei der sich die Verbünde themen- und bundeslandübergreifend kennenlernen und vernetzen können.

Hintergrund: Bildung durch Sprache und Schrift in Köln

Im September 2013 haben auch zwei Kölner Verbünde die Arbeit aufgenommen. „Schreiben, Sprechen, Lesen im Mathematikunterricht der Klassen 5/6“ setzt den Schwerpunkt auf sprachliche Bildung in fachlichen Kontexten. Gerade Mathematik eignet sich besonders gut für sprachfördernde Maßnahmen: Beim Lesen von mathematischen Texten beispielsweise muss jedes Wort und seine Bedeutung verstanden werden, um eine Aufgabe richtig lösen zu können. In den nächsten fünf Jahren wollen Wissenschaftler und Lehrkräfte gemeinsam fachspezifische Ansätze zur Sprachförderung im Fach Mathematik entwickeln und im Unterricht erproben. Vier Kölner Schulen (Willy-Brandt-Gesamtschule, Lise-Meitner-Gesamtschule, Katharina-Henoth-Gesamtschule, Gesamtschule Köln Holweide) sind am Verbund beteiligt. Weitere Partner sind die Universität zu Köln und zwei Verbünde aus Dortmund und Duisburg-Essen, die Angebote für Schülerinnen und Schüler der siebten bis zehnten Klasse entwickeln.
Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Büchter (Universität zu Köln, 0221-470-4721, a.buechter@uni-koeln.de)
Der zweite Verbund „DemeK mit BiSS – Sprachbildung im Verbund“ knüpft an das bereits bestehende Konzept „Deutsch lernen in mehrsprachigen Klassen“ (DemeK) an. Ziel ist die Förderung des impliziten und expliziten Grammatikerwerbs bei Kindern mit besonderem Förderbedarf. Die Herkunftssprache der Kinder und eine auf dem individuellen Sprachentwicklungsstand aufbauende Förderung zählen zu den Prinzipien des Konzepts. Im Rahmen von BiSS sollen die bisher erarbeiteten Unterrichtsreihen geprüft und erweitert werden, insbesondere für den Fachunterricht. DemeK soll dann in den Verbundschulen (Grüneberg-Schule und Heinzelmännchen-Schule in Köln sowie die Sebastian-Schule in Bornheim) noch besser verankert und die beteiligten Lehrkräfte durch Fortbildungen geschult werden. Verbundpartner sind das Zentrum für Mehrsprachigkeit und Integration (ZMI) und das Institut für deutsche Sprache und Literatur II der Universität zu Köln.
Kontakt:
Rosella Benati, Fachberaterin/Geschäftsführerin des ZMI – Zentrum für Mehrsprachigkeit und Integration (Bezirksregierung Köln, 0221 147 2217, rosella.benati@bezreg-koeln.nrw.de)

Aktuelles zum Programm und zu den nächsten Schritten gibt es unter www.biss-sprachbildung.de


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