Ferienschule für neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler

Ferienschule für neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler

Magdalena Kaleta • Artikel im ZMI Magazin 2017, S. 17

Die diesjährige Sommerschule am Hölderlin-Gymnasium richtete sich nun zum zweiten Mal speziell an geflüchtete Kinder und Jugendliche. Nicht nur die neu Zugewanderten profitieren von der Ferienschule, sondern auch die Lehramtsstudierenden, die die Sprachförderung durchführten.
Sommer in Köln – unter diesem Motto unterrichteten Lehramtsstudierende im Juli 2017 zwei Wochen lang neu zugewanderte Kinder und Jugendliche im Alter von 10-16 Jahren. Die Schülerinnen und Schüler kamen aus verschiedenen Ländern, hatten unterschiedliche Herkunftssprachen und besuchten erst seit 2-12 Monaten verschiedene Kölner Schulen. Durch den direkten Anschluss an das Schuljahr trug die Ferienschule dazu bei, dass die neu Zugewanderten die in den Vorbereitungsklassen erworbenen Sprachkenntnisse in den langen Sommerferien nicht wieder verloren haben. Vielmehr bauten die motivierten Sprachanfängerinnen und -anfänger durch das ganztägige Eintauchen in die deutsche Sprache ihre Sprachkenntnisse schnell aus.
Die Lehramtsstudierenden hatten in der Regel noch keine Erfahrungen mit der Zielgruppe gesammelt, sodass die Ferienschule bei ihnen auf großes Interesse traf. Ein hoher Betreuungsschlüssel in Kleingruppen von 5-10 Teilnehmenden, bei dem Studierende maximal zwei Sprachlernende unterrichteten, ermöglichte nicht nur eine individuelle Förderung und eine effiziente Sprachvermittlung, sondern auch die Erprobung verschiedener didaktischer Methoden: So wurde der klassische Sprachunterricht durch theaterpädagogische und mediendidaktische Arbeit am Nachmittag ergänzt.
Die 25 Lehramtsstudierenden wurden im Vorfeld in einem universitären Seminar von den Dozentinnen Diana Gebele, Magdalena Kaleta und Carolin Peschel auf ihre Tätigkeit in der Ferienschule vorbereitet. Dort hatten sie die Möglichkeit, ihre theoretisch erworbenen Kenntnisse direkt praktisch zu erproben. Von ihren Erfahrungen mit diesem praxisnahen Seminarkonzept berichten im Folgenden die beiden Studierenden Michelle Schiffer und Michèl Lier.

Keiner wird ins kalte Wasser geworfen, auch nicht Lehramtsstudierende!
Unser Unterricht, den wir selbstständig planen und durchführen durften, wurde intensiv von den Dozentinnen betreut. Im Laufe des Semesters lernten wir durch das Vorbereitungsseminar vielfältige Methoden und Materialien kennen, die wir während der Ferienschule in die Praxis implementierten. Die Strukturierung des Unterrichts, die Wahl der Inhalte für die Sprachfördersequenzen war uns selbst überlassen. Wir fühlten uns jedoch nie allein gelassen, denn die Dozentinnen hatten immer ein offenes Ohr und standen für ein fundiertes Feedback jederzeit zur Verfügung.

Deutz lernt Deutsch – und uns freut’s, und wen noch?
Wir sprechen im Namen aller Studierenden, wenn wir sagen, dass wir von den Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler überwältigt waren! Wir erlebten hoch motivierte und lebensfrohe junge Menschen, die Spaß daran hatten, die deutsche Sprache zu erlernen.
Es wurden drei Gruppen mit verschiedenen Sprachniveaus gebildet, die nach Kölner Stadtteilen benannt wurden: Deutz, Kalk und Sülz. Neben der reinen Sprachförderung und Grammatikvermittlung versuchten wir auch performative Methoden, die wir im Vorbereitungsseminar kennengelernt hatten, zu integrieren.

Modern und innovativ – Dramapädagogik mit Herz begeistert!
Jede Gruppe durfte sich eine Choreographie mit eigenem Schlachtruf passend zu den Gruppennamen überlegen. So entstand auch der Satz „Wir sind Kalk – stark wie Hulk“. Wir erkannten schnell, dass die performativen Übungen einen positiven Einfluss auf die Gruppendynamik hatten, sie die Kinder und Jugendlichen zum Sprachgebrauch motivierten und ihr Selbstbewusstsein stärkten. Durch lebhaft und interaktiv gestaltete Dialoge und rhythmische Spiele konnten wir die Wahrnehmung der Schülerinnen und Schüler für Aspekte der deutschen Sprache schulen und sie gleichzeitig aktiv einbeziehen.

Theorie und Praxis – für alle ein Zugewinn
Wir sind sicher, dass das Projekt für alle einen Zugewinn darstellt: Die Schülerinnen und Schüler können nun aufgrund ihrer erweiterten Kenntnisse im Regelunterricht besser mithalten und durften die deutsche Sprache im motivierenden Kontext lebhaft erfahren.
Wir Studierende als angehende Lehrkräfte sind dankbar, dass wir durch das Ferienschulseminar praxisnahe Erfahrungen sammeln und theoretische Konzepte auf ihre Umsetzbarkeit in der Praxis prüfen konnten. Die wissenschaftliche Theorie allein hätte uns unserer Meinung nach nicht auf unseren Berufsalltag vorbereiten können.


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