Forum Accademico Italiano – Italienisches akademisches Forum „Lingua è cultura / Sprache ist Kultur“ Sprachwettbewerb für Schülerinnen und Schüler mit italienischen Wurzeln – eine Bilanz nach der IV. Edition des Projektes

Forum Accademico Italiano – Italienisches akademisches Forum „Lingua è cultura / Sprache ist Kultur“ Sprachwettbewerb für Schülerinnen und Schüler mit italienischen Wurzeln – eine Bilanz nach der IV. Edition des Projektes

Maurizio Libbi • Artikel im ZMI Magazin 2017, S. 28

Viel zu wenige Kinder und Jugendliche mit italienischen Wurzeln finden ihren Weg im deutschen Schulsystem, verhältnismäßig wenige streben eine akademische Bildung an. „Aber gerade solche Kinder könnten, dank ihrer potentiellen Mehrsprachigkeit, bessere Chancen haben als viele andere, die in nur einer Sprache leben,” unterstreicht Prof. Dr. Dr. Maria Cristina Polidori, Vorsitzende des Forums Accademico Italiano und Leiterin mit Schwerpunkt Klinische Altersforschung, Klinik II für Innere Medizin der Uniklinik Köln. „Man muss etwas für die neuen Generationen tun. Die Jugendlichen sollten dazu gebracht werden, sich Fragen zu stellen, ihr Interesse für Kultur und Wissenschaft zu entdecken und zu entwickeln.“

Das ist das Ziel des Wettbewerbs für in italienischer Sprache verfasste Arbeiten, den das Forum Accademico Italiano (Italienisches akademisches Forum) vor vier Jahren startete. Man hatte keine Erfahrung mit solchen Unternehmungen, man wusste nur: Wir müssen und wollen den neuen Generationen ein Stück Identität bieten, und zwar den Kindern und Jugendlichen aus italienischen Familien, die die Schule in Deutschland besuchen. Das Ziel: Sie sollen begreifen, wie wertvoll Zweisprachigkeit bzw. Mehrsprachigkeit ist – für die Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins und für die spätere berufliche Entwicklung, für eine nachhaltige Integration in die deutsche und europäische Gesellschaft.
Ausgangssituation / Entwicklung des Projektes
So entstand die Idee des Wettbewerbs: die Herausforderung, auf Italienisch zu schreiben, sich in dieser Sprache auszudrücken und zu erzählen, sie nicht als nebensächlich zu betrachten, sondern als ein ebenso gleichberechtigtes wie geeignetes Mittel neben der deutschen Sprache für die tägliche Kommunikation. Wer es als selbstverständlich empfindet, sich in verschiedenen Sprachen zu verständigen, dem wird es auch selbstverständlich vorkommen, sich in verschiedenen Kulturen zu bewegen und sie mit zu prägen. Außerdem hat sich inzwischen wissenschaftlich bestätigt, dass Mehrsprachigkeit die Tür zu einem vielfältigeren und erfolgreicheren Leben in Schule und Gesellschaft öffnet.
Aus dem ersten „Versuch“ ist inzwischen ein vielschichtiges, ausgeklügeltes Projekt erwachsen – nach vier Editionen kann man schon eine erste Bilanz ziehen und sie fällt positiv aus. Das zeigen auch die Zahlen: Am Wettbewerb für das Schuljahr 2016/17 für Schulen im Bezirk des italienischen Generalkonsulats Köln nahmen 75 italienische Schülerinnen und Schüler teil. Sie kamen aus Schulen des ganzen Konsulatsbezirks: von Düsseldorf und Remscheid über Köln und Bonn bis Euskirchen, Troisdorf und Hennef.

Struktur des Wettbewerbs

Der Wettbewerb (Edition 2016/17) sah zwei Sektoren vor: Prosa (für die Klassen 9 bis 13) und Poesie (für die Klassen 4 bis 8).
In jedem Sektor wurde zwischen zwei Wettbewerbsklassen unterschieden:
• A – Schülerinnen und Schüler, die die Schule überwiegend in Deutschland besucht haben bzw. die Italienisch als Fremdsprache lernen
• B – Schülerinnen und Schüler, die überwiegend in Italien zur Schule gegangen sind und/oder die Italienisch als Muttersprache haben
In jeder Wettbewerbsklasse wurden die verschiedenen Schulstufen berücksichtigt.
Zur Bewertungskommission gehörten Fachleute aus Deutschland wie auch aus Italien. Diese Mischung war wichtig, weil man so auch bewerten konnte, wie das tatsächliche Sprachniveau der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war.

Das Netzwerk

Lehrerinnen und Lehrer spielen eine fundamentale Rolle in diesem Projekt. Das Forum Accademico arbeitet eng mit den Lehrerinnen und Lehrern zusammen, die Italienisch in den bilingualen Schulen unterrichten oder als HSU-Dozenten (Herkunftssprachlicher Unterricht) für die Schulämter tätig sind. Denn ohne sie wäre es praktisch unmöglich, die Schülerinnen und Schüler zu erreichen, geschweige denn, sie zum Mitmachen zu motivieren.

Die Zusammenarbeit mit den deutschen Schulbehörden und Schulleitungen ist sehr gut – was uns gezeigt hat, dass wir mit dieser Initiative richtigliegen, da auch die „deutsche“ Seite sie für fachlich sinnvoll hält.
Entscheidend für die erfolgreiche Durchführung des Projektes war auch die Unterstützung des Italienischen Generalkonsulats und des Italienischen Kulturinstituts, die der Initiative einen amtlich-kulturellen Rahmen verliehen hat. In den letzten zwei Editionen des Wettbewerbs fand die Preisverleihung in einem Saal des Kulturinstituts in Köln statt. Der Generalkonsul zeichnete dort die Wettbewerbssiegerinnen und -sieger persönlich aus. Die letzte Veranstaltung wurde von mehr als 100 Gästen besucht.

Die Zukunft

Das Forum will das Projekt „Lingua è cultura / Sprache ist Kultur“ auf der Grundlage dieser Erfahrungen weiter entwickeln und den Wettbewerb auch in den nächsten Schuljahren ausschreiben. Wer mehr erfahren oder – noch besser – mitmachen möchte, kann mit der Arbeitsgruppe Schule des Forums Kontakt aufnehmen: concorso.scuole@ricercatorinrw.org

Forum Accademico Italiano (Italienisches akademisches Forum)

Das Forum Accademico Italiano (Italienisches akademisches Forum) ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Köln. Wie der Name besagt, sind die Mitglieder italienische Akademikerinnen und Akademiker verschiedenster Fachbereiche, die in Deutschland arbeiten – in Universitäten, Schulen, Forschungszentren der Industrie, Banken uvm.
Das Forum hält eine effiziente Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Nationalitäten für grundlegend, um die globale wissenschaftliche und technologische Fortentwicklung zu fördern.
Dabei ist es sehr wichtig, sich auch mit der Ebene der Schule und der beruflichen Ausbildung zu befassen. Daher auch das Engagement für die Verbreitung von italienischer Sprache, Kultur und Mehrsprachigkeit.
Das Programm des Forums sieht vor, Initiativen in den verschiedenen Branchen ins Leben zu rufen bzw. zu unterstützen. So werden unter anderem jährlich mehrere Seminare in wissenschaftlichen Thematiken, ein wissenschaftliches Symposium und der Sprachwettbewerb für Schulen veranstaltet.
Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt, seine Mitglieder arbeiten ehrenamtlich und die Initiativen werden durch Spenden finanziert. Für mehr Informationen: info@ricercatorinrw.org


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