Kreatives Deutsch Lernen mit Rap und Gesang. Ein Interview mit Rapperin Brixx.

Kreatives Deutsch Lernen mit Rap und Gesang. Ein Interview mit Rapperin Brixx.

Die Fragen stellte Jolanta Boldok, ZMI – Zentrum für Mehrsprachigkeit und Integration • Artikel im ZMI Magazin 2016, S. 30

Die ungarische Rapperin Brixx ist in Deutschland aufgewachsen. Als Dozentin für Hip-Hop und Rap ist sie im Rahmen des Projekts der Volkshochschule Köln „talentCAMPus“ tätig. Das ZMI konnte sie für die Gestaltung des Musikbeitrags zum Ausklang des Kölner Sprachfestes 2016 gewinnen (siehe S. 38). Hier spricht sie über ihre Erfahrungen und die musikalische Zusammenarbeit mit Kindern mit Migrationshintergrund.

Brixx, würdest du bitte etwas über deine Person und deinen Werdegang erzählen?
Ich heiße Ildiko Basa, bin aber eher als Brixx bekannt. Mit 12 Jahren habe ich meine Leidenschaft für Rap entdeckt. Später kamen dann das Songwriting, Produktionen eigener Beats und ebenfalls noch die Lust am DJ-Sein sein hinzu.
Ich habe Musik mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern wie Bootsy Collins, Mos Def oder Talib Kweli veröffentlicht, aber auch mit nationalen Künstlerinnen und Künstlern wie Sabrina Setlur, Afrob, Samy Deluxe.
Da ich von Anfang an überwiegend Rap Texte auf Englisch geschrieben habe, war meine Entscheidung klar, dass ich mit 19 Jahren für mehrere Jahre nach Los Angeles, Atlanta und New York ziehen wollte. Also bin ich über den großen Teich um den Spirit und die Musik dort hautnah mitzuerleben. Bereits im Vorfeld hatte ich in Deutschland viele internationale Kontakte gemacht, wodurch sich dann Auftritte als Vorgruppe mit Mc Lyte, den Black Eyed Peas, Shakira, Destiny‘ s Child und Macy Gray ergeben haben.

Das heißt, du hast schon mit international bekannten Größen der Musikwelt zusammengearbeitet und auch Erfahrungen im Umgang mit Vielfalt gesammelt. Wie bist du zum Projekt „talentCAMPus“ gekommen und was hast du dabei erlebt?
Beim Projekt mit der VHS ging es zwar auch um meine musikalischen Erfahrungen, die ich in all den Jahren gesammelt habe, aber viel mehr ging es mir um die Weitergabe meines Wissens. Mich hat am meisten gereizt, mit Rap auf kreative Art und Weise Kindern die deutsche Sprache und deren Qualität zu vermitteln. Anstatt sich nur über die Situation mit den vielen Flüchtlingen zu beschweren, die wir zurzeit in Deutschland haben, kann ich so auch gezielt etwas im Kleinen verändern und einen kleinen Beitrag zur Integration leisten. Ich selbst bin mit 5 Jahren mit meiner Familie als Flüchtlingskind nach Deutschland gekommen. Ist lange her, aber so war‘s.
Wir wussten, dass einige Kinder im Projekt in ihrer Heimat schlimme Dinge erlebt haben oder auch teilweise ohne Familie in Deutschland gestrandet sind und dementsprechend sensibel waren, daher mussten wir als Dozentinnen und Dozenten extrem viel Einfühlungsvermögen und starke Nerven mitbringen. Aber diese Kids haben mir auch sehr viel Positives zurückgegeben!

Wie war der Stand der Deutschkenntnisse der Kinder am Anfang des Projekts und wie verlief der Lernprozess?
Einige Kinder haben sehr rudimentär, manche auch gar kein Deutsch gesprochen, aber ich habe schnell gemerkt, dass Musik, auch wenn man nicht jedes Wort versteht, ihren direkten Weg in jedes Herz finden kann. Und hierdurch finden auch die Wörter einer fremden Sprache ihren Platz im Gehör, die Kinder gewöhnen sich spielerisch an Aussprachen, Floskeln, erweitern ihr Vokabular quasi unbewusst, erlernen ganze Sätze nur durch das Musikmachen. Ich bin fest davon überzeugt, dass man durch Musik und Kreativität Sprachen, wie in unserem Fall die deutsche, schnell und ganzheitlich lernen kann. Natürlich ersetzt das musikalische Lernen mit einer Sprache nicht den alltäglichen Umgang damit oder einen Sprachkurs. Eher unterstützt es den gesamten Lernprozess.
Im Vordergrund des Rap Kurses stand das Lernen deutscher Vokabeln, die rhythmischen Wiederholungen von Wörtern oder ganzen Sätzen. Da wir alle Texte zusammen geschrieben haben, animiert es die Kinder zum Mitdenken und Verstehen, da sie den Inhalt des Songs selbst gestalten. Besonders schön war, dass die Kinder sich untereinander sehr oft gegenseitig geholfen haben, egal welcher Herkunft. Musik verbindet!

Welche anderen Auswirkungen des Rap Kurses hast du bei den Kindern noch beobachtet?
In der gemeinsamen Musikproduktion können sie sich mit der Musik aus anderen Kulturen verbinden. Das schafft auch eine Verbindung zwischen dem Gewohnten und dem Ungewohnten, baut so eine musikalische Brücke zwischen verschiedenen Welten.
Am Ende des Projekts haben die Kinder bei einer Abschlussaufführung neben allen anderen Kindern, Freunden und Eltern ihre Songs präsentieren können. Ich konnte in dem Funkeln ihrer Augen Glück über das Lernen und die erlebte Zeit erkennen und diese positive Energie, die jedes Kind versprüht, wenn es einen Schritt näher zu seiner Selbständigkeit rückt, hat mich richtig bewegt.

Welche Rückmeldungen bekommst du von den Teilnehmenden und dem Publikum?
Das Publikum war begeistert vom Auftritt der Kinder und auch von den Texten der Songs.
Ich habe nach wie vor Kontakt zu einigen Kindern über unsere „Whatsapp-Gruppe“, die wir gegründet haben. Mit einigen bin ich sogar ehrenamtlich in mein Produktionsstudio gegangen, um ihren Song professionell aufzunehmen. Die waren richtig begeistert, in einem großen Studio Aufnahmen machen zu können. Ich finde, es ist wichtig, nicht nur gegen Bezahlung, sondern auch sonst für die Kinder da zu sein. Das funktioniert nur, wenn man es ehrlich und mit Herz tut und ich glaube, die vielen positiven Rückmeldungen und die Freude, die das Projekt ausgelöst hat, haben alle Kinder aber auch uns Erwachsene sehr bereichert!

Name: Ildiko Basa aka Brixx
Facebook: Ildiko Brixx
E-mail: i.basa@we-planet.com
Website: www.we-planet.com


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