Meine Sprachen und Kulturen – Auf Entdeckungsreise mit Fantasmino Interkulturelles Unterrichtsmaterial für die Grundschule

Meine Sprachen und Kulturen – Auf Entdeckungsreise mit Fantasmino Interkulturelles Unterrichtsmaterial für die Grundschule

Maja Scheerer • Artikel im ZMI Magazin 2016, S. 24

2013 erschien im ZMI-Magazin ein Beitrag über die Erstellung eines interkulturellen europäischen Sprachenportfolios. Mittlerweile wurde aus dem Portfolio interkulturelles Unterrichtsmaterial, da die Schullandschaft noch bunter geworden ist – auch in den bilingualen Klassen, von denen die Erstellung des Portfolios ausging.

Als eine Gruppe von Lehrkräften bilingualer deutsch-italienischer Klassen mit der Erarbeitung des Portfolios begann, war der Grundgedanke, es zweisprachig für bilinguale Klassen anzubieten. Von diesem Gedanken hat sich die Arbeitsgruppe nun verabschiedet, denn einerseits sind in den bilingualen Klassen nicht mehr vorwiegend zwei-, sondern vielsprachige Kinder, andererseits soll das interkulturelleUnterrichtsmaterial auch in heterogenen Regelklassen oder im herkunftssprachlichen Unterricht eingesetzt werden. Es liegt derzeit auf Deutsch vor und ist so konzipiert, dass es in alle Sprachen übersetzt werden kann. Ebenso kann es aus allen Blickwinkeln betrachtet werden und ist daher auch für Schülerinnen und Schüler aus anderen Kulturen mit Blick auf die deutsche Kultur gedacht. Durch die neu zugewanderten Kinder hat sich in den Klassen ein zusätzliches Bewusstsein für andere Sprachen und Kulturen entwickelt. Vielfalt ist nun noch selbstverständlicher geworden.
Bei der Entwicklung des Materials stellte die Arbeitsgruppe fest, dass die Vorgaben eines europäischen Sprachenportfolios die Arbeit zu sehr einschränkten. Vom Europarat vorgegeben sind hierfür eine Sprachenbiographie, ein Dossier sowie ein Sprachenpass. Ursprünglich sollte hierzu ein interkultureller Teil ergänzt werden. Ein Sprachenportfolio berücksichtigt aber nur die Fortschritte beim Fremdsprachenlernen, der Schwerpunkt sollte aber auf der Mehrsprachigkeit und dem interkulturellen Lernen liegen.
Daher entschied die Arbeitsgruppe, von den Vorgaben für ein europäisches Sprachenportfolio abzuweichen und das Thema ’Interkulturalität’ stärker zu berücksichtigen, wozu auch die Evaluation der Erprobungsphase durch Magdalena Michalak ermutigt hat (vgl. ZMI-Magazin 2013, Beitrag: „Interkulturelles Europäisches Sprachenportfolio“).
Beibehalten wurde die Leitfigur „Fantasmino“ (Italienisch = „kleiner Geist“), da die Figur des europäischen Geistes die Kinder sehr ansprach. Vom ursprünglichen Portfolio wurde auch der sprachenbiographische Teil beibehalten. Die ergänzenden interkulturellen Themen dagegen wurden immer wieder überarbeitet und ergänzt. Nach dem einführenden Teil der Sprachenbiographie folgen neun interkulturelle Themen wie z.B. Spielen, Feiern, Essen und Trinken, Auswandern und Einwandern. In den Hinweisen für die Lehrkräfte wird zusätzliches interkulturelles Unterrichtsmaterial als Kopiervorlagen oder weiterführende Unterrichtsideen angeboten. Die Themen entstammen der Lebenswirklichkeit der Kinder und sind mit anderen Unterrichtsthemen oder dem Jahreslauf verknüpft (z.B. Märchen, Bräuche).
Die Arbeit mit einem Dossier in Form einer Schatzkiste wird dringend empfohlen, der Sprachenpass jedoch entfällt völlig, da der Fortschritt beim interkulturellen Lernen nicht wie beim Fremdsprachenlernen messbar ist. Bezüglich des Dossiers wurde entschieden, dass die Kinder verschiedene Dinge, die bedeutsam für ihr interkulturelles Lernen sind, in einer Schatzkiste sammeln sollen. Dies können z.B. Fotos sein, Gegenstände aus dem Urlaub, Musik, Wörter in anderen Sprachen, Postkarten und Briefe, aber auch Ergebnisse aus dem (Fremd-)Sprachenunterricht sowie Dinge, die mit der eigenen Herkunftssprache zu tun haben.
Neben der individuellen Auseinandersetzung mit den interkulturellen Themen ist der Austausch darüber unbedingt notwendig. Ausschließlich individuelles Arbeiten, wie z.B. bei einem Portfolio, ist nicht zielführend: Der Austausch in der Gruppe ist unerlässlich für den interkulturellen Lernzuwachs. Es wird empfohlen, die interkulturellen Themen in die Jahresplanung einzubeziehen und mit den entsprechenden Unterrichtsthemen zu verknüpfen.
Die Beschäftigung mit interkulturellen Themen soll auf Dauer helfen, ein größeres Verständnis für kulturelle Unterschiede zu bekommen und ein näheres Interesse am Anderen (z.B. an den Klassenkameraden, Nachbarn usw.), aber auch Neugier und Offenheit im Allgemeinen zu wecken. Dies kann sich dann auch in einem besseren Zurechtfinden in fremdkultureller und fremdsprachiger Umgebung äußern.
Die 2013 im ZMI-Magazin beschriebene Evaluation von Magdalena Michalak hat gezeigt, dass Kinder im Grundschulalter für die ausgewählten Themen offen sind und großes Interesse haben, sich darüber auszutauschen. Dieser Austausch ist nicht nur für die individuelle Entwicklung förderlich, sondern auch für die der Klassengemeinschaft, da sich die Kinder besser kennenlernen. Sie erfahren, dass die Unterschiedlichkeit innerhalb der Klasse wertgeschätzt wird und werden motiviert, diese zu leben und dabei offen auf einander zuzugehen.

 


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