R/EQUAL Programm für geflüchtete Lehrkräfte an der Universität zu Köln kooperiert in europäischer Hochschulpartnerschaft

R/EQUAL Programm für geflüchtete Lehrkräfte an der Universität zu Köln kooperiert in europäischer Hochschulpartnerschaft

Dr.‘in Henrike Terhart, Petr Frantik & Semra Krieg • Artikel im ZMI Magazin 2018 S. 17

Seit 2015 ist Deutschland eines der europäischen Hauptzielländer für asylsuchende Menschen aus Konflikt- und Kriegsgebieten. Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) haben 2016 mehr als 11.000 Personen in Deutschland Asyl beantragt, die in ihrem Herkunftsland in lehrenden Berufen tätig waren (vgl. Neske 2017). An der Universität zu Köln besteht seit Juli 2018 ein einjähriges Pilotprogramm für geflüchtete Lehrkräfte, um ihre Chancen im Bildungssystem als Arbeitsmarkt zu erhöhen. Neben Seminaren und Deutschkursen absolvieren 16 Lehrkräfte aus Syrien, der Türkei, dem Irak sowie dem Iran Praktika an Kölner Schulen.
Die europäische Hochschulpartnerschaft R/EQUAL
Die Universität zu Köln koordiniert seit September 2018 eine europäische Hochschulpartnerschaft mit den Universitäten Stockholm und Wien sowie der Pädagogischen Hochschule Weingarten, die ebenfalls Programme für (neu) zugewanderte und geflüchtete Lehrkräfte anbieten. Das ERASMUS+-Kooperationsprojekt R/EQUAL-Requalification of (recently) immigrated and refugee teachers unterstützt die Programme an den Partnerhochschulen durch eine Zusammenarbeit auf europäischer Ebene. Bestehende Erfahrungen werden ausgetauscht und Materialien zusammen mit den europäischen Kolleginnen und Kollegen entwickelt. Ziel der Hochschulpartnerschaft ist es, die erarbeiteten Konzepte und Methoden weiteren europäischen Hochschulen in Form von Open-Access-Materialien zur Verfügung zu stellen.
In einer international vergleichend angelegten Rahmenanalyse werden die rechtlich-administrativen Bedingungen für den Zugang (neu) zugewanderter und geflüchteter Lehrkräfte in Österreich, Schweden und Deutschland vorgestellt und Empfehlung zur Einrichtung bzw. Weiterentwicklung von Programmen für diese Lehrkräfte an europäischen Hochschulen gegeben. Weiterhin werden ein Handbuch zum Sprachenlernen unter Berücksichtigung der bestehenden Mehrsprachigkeit der Teilnehmenden entwickelt, eine Methodensammlung zur Auseinandersetzung mit dem Themenfeld Heterogenität und Schule unter Berücksichtigung der europäischen Antidiskriminierungspolitik erstellt sowie eine digitale Bibliothek mit Verweisen auf wissenschaftliche Beiträge und Studien zur Leh-rer(innen)bildung und Re-Professionalisierung bereit gestellt.
R/EQUAL verfolgt einen partizipativen Ansatz und bezieht die Perspektiven der Programmteilnehmenden aktiv in die Praxis und die begleitende Forschung mit ein. Die Teilnehmenden der Programme in Schweden, Österreich und Deutschland tauschen sich aus, beteiligen sich an der Entwicklung und Evaluation von Lehrmaterialien und -methoden und bringen ihre Ideen zur Weiterentwicklung der Angebote ein. Auf diese Weise setzt die europäische Kooperation an den Kompetenzen von Lehrkräften mit im Ausland erworbenen Studienabschlüssen an. Neben der fachlichen Qualifikation und den bestehenden Praxiserfahrungen bringen die Programmteilnehmenden zudem ihre mehrsprachigen Ressourcen, Kenntnisse über verschiedene Schulsysteme sowie eine Sensibilität in Bezug auf die Lebenssituation (neu) zugewanderter und geflüchteter Familien mit ein.
Die Hochschulkooperation wird finanziell unterstützt durch die Europäische Kommission und hat eine Laufzeit von 09/2018-02/2021. Weiter Informationen sind auf der R/Equal-Homepage zu finden: http://blog.hf.uni-koeln.de/immigrated-and-refugee-teachers-requal. 

Verweise
Neske, Matthias (2017): Volljährige Asylerstantragsteller in Deutschland im Jahr 2016: Sozialstruktur, Qualifikationsniveau und Berufstätigkeit. BAMF-Kurzanalyse 2, 2017.
Das Programm für geflüchtete Lehrkräfte an der Universität zu Köln ist eine Kooperation des International Office, dem Mercator Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache und dem Zentrum für Lehrerinnenbildung. Aktuell befindet sich das Programm in der Pilotphase, die von Juli 2018 bis Juli 2019 läuft und durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) aus Mitteln des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW NRW) finanziell unterstützt wird. Weitere Infos unter: https://www.mercator-institut-sprachfoerderung.de/de/studium-weiterbildung/programm-fuer-gefluechtete-lehrkraefte/


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