Umgang mit der natürlichen Mehrsprachigkeit: Leitlinien für Kölner Grundschulen

Umgang mit der natürlichen Mehrsprachigkeit: Leitlinien für Kölner Grundschulen

Gregor Stiels, Sprecher des Verbunds Kölner Europäischer Grundschulen • Artikel im ZMI Magazin 2018 S. 33

Im November 2009 stellten sich der Integrationsrat der Stadt Köln und der damalige Oberbürgermeister Fritz Schramma die Frage, wie sich die Multinationalität der Stadt in den Kölner Schulen widerspiegelt. Gerade die Kölner Grundschulen müssten bei der großen Vielsprachigkeit ihrer Schülerinnen und Schüler beste Startvoraussetzungen bieten für die bekannte Forderung der Europäischen Union: jede Schülerin und jeder Schüler sollte am Ende der Schulzeit, neben der Muttersprache, noch zwei weitere Sprachen beherrschen.

Offen wurden die Kölner Grundschulen aufgerufen, sich in einem Verbund zusammen-zuschließen, der die natürliche Mehrsprachigkeit auf unterschiedlichsten Ebenen unterstützen und fördern soll. Damals schlossen sich 12 Grundschulen zum Verbund Kölner Europäischer Grundschulen zusammen. Heute sind es 15 Schulen.
Meines Erachtens wird diese Zahl nicht annähernd der Bedeutung der natürlichen Mehrsprachigkeit gerecht.
Ganz klar: Einiges ist noch zu tun! Denn noch jetzt, im Jahr 2018 in Deutschland, kann Migration den Abschluss qualitativ hochwertiger Bildungsabschlüsse stark gefährden!
Und noch jetzt ist, mancherorts, eine andere Muttersprache als Deutsch ein Makel und ein Handicap für eine erfolgreiche Bildungsbiografie!
Und noch immer ist es für manche Eltern erstrebenswert, das eigene Kind mit möglichst wenigen fremdsprachigen Kindern gemeinsam unterrichten zu lassen!
Die 15 Grundschulen des Verbunds Kölner Europäischer Grundschulen setzen da ein deutlich anderes Signal. Die teilweise über 30 unterschiedlichen Sprachen in den Verbundschulen werden als natürlich wahrgenommen, wertgeschätzt und gefördert, indem sie in vielen Facetten des Schulalltags eine Rolle spielen. Das gesamte Kollegium, inklusive Nachmittagsbetreuung, ist verantwortlich für die Förderung der natürlichen Mehrsprachigkeit. Dabei stoßen wir immer wieder an Grenzen und auf Hindernisse. Zum einen geht es öfters um die Haltung des fluktuierenden Personals, zum anderen um die Fachkompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und dann auch wieder um die Ausstattung. Solche Herausforderungen sind Thema in den regelmäßigen Verbundsitzungen, bei denen wir intensiv vom ZMI unterstützt werden.
Wichtig für den Verbund sind auch, neben der Organisation des mehrsprachigen Schulalltags, neu entstandene wissenschaftliche Erkenntnisse zum Umgang mit der natürlichen Mehrsprachigkeit. Alexander Lohse, von der Humboldt-Universität zu Berlin, gab dem Verbund in einer Klausurtagung den entscheidenden Impuls zur Erstellung von Leitlinien, die im November 2018 veröffentlicht wurden. Diese Leitlinien helfen den Grundschulen, sich mit ihrer Haltung zur Mehrsprachigkeit auseinanderzusetzen und nächste Entwicklungsziele zu bestimmen. Professor Jim Cummins, Sprachforscher an der Universität Toronto, lobte die Leitlinien im Rahmen seines Vortrags zum zehnjährigen Bestehen des ZMI. Er bemerkte, dass die Leitlinien sich exakt mit dem beschäftigen, worüber er seit vielen Jahren forscht. Eine erfolgreiche Umsetzung der Leitlinien würde, laut Cummins, vielen Kindern helfen erfolgreiche Bildungsabschlüsse zu erzielen. Die Schulen des Verbundes Kölner Europäischer Grundschulen freuen sich über die prominente Unterstützung. Wir sehen diese als Ansporn, weitere Kölner Schulen zu gewinnen, die sich mit den praxisnahen Leitlinien auseinandersetzen. Das Ziel bleibt weiterhin, erfolgreiche Bildungsabschlüsse für alle Mädchen und Jungen unserer vielsprachigen Schülerschaft zu erreichen.
In einer Stadt wie Köln, mit ihren vielen Bildungseinrichtungen und Ämtern, darf dieses Anliegen nicht allein beim Verbund der 15 Schulen bleiben. Daher schaue ich mit großer Erwartung auf das neue Amt für Integration und Vielfalt in der Stadt Köln. Mehrsprachigkeit und Vielfalt gehören schon lange zur Kölner Lebenswirklichkeit. Ein guter und bereichernder Umgang damit kann allerdings, zusätzlich zu unseren Schulen, noch auf vielen weiteren Feldern ausgebaut werden!


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